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Tauchsport in einem pädagogischen Konzept realisiert

5. September 2006

Unter der Leitung von Ralf Gedeck (Respekttrainer, Pädagoge und Divemaster) und der wissenschaftlichen Begleitung von Prof. Dr. Michael Galuske (Erziehungswissenschaftler der Universität Kassel und erfahrener Taucher) wurde erstmals der Tauchsport als erzieherischer Ansatz für die Jugendlichen unserer Einrichtung in einem erlebnispädagogischen Projekt umgesetzt.

Pädagogisches Tauchen als weitere Maßnahme, um schwer erziehbare Jugendliche auf ein normales Leben vorzubereiten:

Es handelt sich um eine weitere Möglichkeit das Medium Wasser pädagogisch zu nutzen. Gerade die Kombination aus Gemeinschaftserlebnis, Abenteuer, Körpererfahrung und Meditation eröffnet - pädagogisch begleitet - neue Erfahrungs-horizonte, die nicht nur dem Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen zuträglich sein können.

Einzuordnen ist dieses Experiment in den Bereich der Erlebnispädagogik: "Erlebnispädagogik ist eine Methode, die Personen und Gruppen zum Handeln bringt mit allen Implikationen und Konsequenzen bei möglichst hoher Echtheit von Aufgabe und Situation in einem Umfeld, das experimen-tierendes Handeln erlaubt, sicher ist und den notwendigen Ernstcharakter besitzt." (Hufenus 1993, S. 86)

Sind die hier verlangten Voraussetzungen beim Tauchen nicht ausreichend gegeben? Anlehnend an das Gesamtkonzept "Erziehung durch Sport" geht es um das Lernen in Situationen mit Ernstcharakter, die verinnerlicht und in den Alltag transferiert werden können.

Das Medium Wasser stellt auf den ersten Blick einen für uns Menschen feindlichen Lebensraum dar, in dem wir nicht lange ohne technische Hilfsmittel existieren können. Nur mit Tauch-gerät, einer Gruppe oder Partner, und das Befolgen klarer Regeln ist es uns möglich, hier längere Zeit zu überleben. Verletzt oder missachtet man eine dieser Vorgaben, ist man gezwungen diese unbekannte Welt zu verlassen. Eine der Grundvoraussetzungen ist der Respekt vor dieser neuen Welt, die keinen Fehler verzeiht sowie das Vertrauen in seinen Partner oder die Gruppe. Im günstigsten Fall muss man den Tauchgang abbrechen und auftauchen, im ungünstigsten können sich Fehler auch viel später rächen, wie z.B. bei der Dekompressions-Erkrankung, die erst Stunden später auftreten kann.

Beachtet man jedoch die notwendigen Vorgaben und Regeln, eröffnet sich einem eine völlig neue Welt der Ruhe, voll von Leben und faszinierenden Farben und Facetten. Kein Tauch-gang gleicht dem anderen. Immer wieder wird man mit neuen Herausforderungen und Eindrücken konfrontiert. Sehr oft ist es mit einigen Schwierigkeiten verbunden den Tauchplatz zu erreichen, den Tauchgang optimal zu planen, die schwere Ausrüstung anzulegen, bevor man das Gefühl der Schwere-losigkeit genießen kann.

Ziel ist es, ideale erlebnispädagogische Lernsituationen zu schaffen, in denen sich Lernprozesse aus den Sachzwängen der Gegebenheiten notwendig und zwangsläufig entwickeln.

Im übertragenen Sinn bedeutet das, die Jugendlichen müssen sich verinnerlichen, ihre alte Welt der Gangs, der Gewalt und der Kriminalität zu verlassen und in eine neue, für sie unbekannte, einzutauchen, in der sie nur bestehen können, wenn sie ihre Regeln und Vorgaben beachten. Für viele ist dies ein weiter und harter Weg mit vielen Hindernissen, für den sie sich letztendlich alleine entscheiden müssen. Wir können nur bei der Planung behilflich sein und dafür sorgen, dass ihnen auf ihrem Weg nicht die Luft ausgeht.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir wollen weder Tauchen als neuen Königsweg propagieren, noch diesen Sport überpädagogisieren. Es ist eine - bislang wenig genutzte - Möglichkeit neuartiger Organisation von Erfahrun-gen.

Es darf nicht der Eindruck entstehen, wie in diesem Diskurs durchaus möglich und auch praktiziert, man belohne kriminelle Jugendliche noch mit teuren Sportarten. Man muss sich vor Augen halten, dass wir es hier mit ganz neuen Problematiken zu tun haben, d.h. "mit Jugendlichen die sonst keiner mehr haben will" (Lothar Kannenberg). Für viele ist unsere Jugendhilfeeinrichtung die letzte Chance. Betrachtet man den sonst klar durchstrukturierten Tagesablauf der Jugendlichen, handelte es sich bei diesem Projekt um weit mehr als eine willkommene Abwechslung.

Unsere Erwartungen bezüglich der pädagogischen Qualität des Projekts wurden spätestens bei der Nachbearbeitung (Reflektion mit den Jugendlichen) bei Weitem übertroffen.

(Ralf Gedeck, Respekttrainer)

Fotobericht [10 MB]

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